
Es gibt nichts Schlimmeres für einen Sportler, als kurz vor der Ziellinie noch abgefangen zu werden. Genau das ist Marc Dülsen vom Team Silla Hopp beim Ironman auf Hawaii passiert: 600 Meter vor dem Zielstrich, nach mehr als neun Stunden höchster körperlicher Anstrengung, sprintete der Karlsruher Steffen Haak an ihm vorbei. “Ich wollte mich anhängen, aber es ging nicht mehr. Meine Oberschenkel waren total zu”, erzählt Marc Dülsen. Der Rivale, den der Silla Hopp-Athlet aus den Liga-Wettkämpfen gut kennt, beendete den Wettkampf mit 17 Sekunden Vorsprung vor Dülsen auf dem zweiten Rang in der Altersklasse 24 bis 29. Doch Enttäuschung sucht man in der Miene von Dülsen, der das Rennen in einer Zeit von 9:05:27 Stunden beendete, vergeblich. Und dafür gibt es auch keinen Grund: “Ich war nur sieben Sekunden langsamer als in Frankfurt bei der Qualifikation. Normalerweise muss man in Hawaii angesichts der klimatischen Verhältnisse pro Disziplin fünf bis zehn Minuten dazurechnen”, erläutert der 26-Jährige seine Zufriedenheit.
Allerdings sprüht der Student der Mechatronik auch nicht über vor Freude – dabei hat er bei seiner Ironman-Premiere auf Anhieb einen Podestplatz erreicht und für das beste Ergebnis in der Geschichte des Teams Silla Hopp gesorgt. “Irgendwie war alles so schnell vorbei”, erklärt Dülsen seine Zurückhaltung, um aber im nächsten Satz gleich nachzuschieben: “Ich bin mit dieser Insel noch nicht fertig. Ich werde irgendwann nochmal in Hawaii starten.”
Dass es bei seiner Premiere im Mekka der Triathleten so gut geklappt hat, schreibt Dülsen zu einem guten Teil seinem Trainer Frank Mayer zu. “Er ist selbst ja schon dort gestartet und hat mir einige wertvolle Tipps gegeben”, sagt Dülsen. Unter anderem konnte der 26-Jährige auf der Radstrecke nach ungefähr 70 Kilometern auf dem Anstieg nach Hawi beschleunigen und sich von einigen Konkurrenten lösen, die mit dem Berg und dem böigen Gegenwind deutlich mehr Probleme hatten. “Mir liegen so schwierige Bedingungen”, sagt Dülsen lächelnd. Wertvoll war auch der Tipp von Frank Mayer, bei der Rückfahrt nach dem Wendepunkt sehr konzentriert zu fahren. “Der Seitenwind war so stark, dass es einen fast vom Rad geweht hat”, erinnert sich der Silla Hopp-Athlet.
Auf einige Probleme hatte sich der Bietigheimer, der acht Tage vor dem Start zum Akklimatisieren nach Hawaii geflogen war, selbst vorbereitet: “Das Schwimmen im Meer mit den Wellen ist völlig anders als in einem See”, lautete eine Erkenntnis. Trotz aller Vorbereitungen ließ es sich nicht vermeiden, dass Marc Dülsen beim Schwimmstart morgens um 7 Uhr einen kleinen Höllenritt durchmachen musste: “Die ersten 500 Meter waren ein reiner Positionskampf. Ich musste permanent schauen, dass ich nicht getunkt werde und habe zweimal Wasser geschluckt”, erzählt er. Anschließend konnte der 26-Jährige jedoch sein Tempo schwimmen und kam nach 59:50 Minuten aus dem Wasser – zehn Sekunden unter der Marschtabelle. “Das hat mich schon mal motiviert”, freute er sich.
Vom Rad stieg Marc Dülsen nach 4:52:21 Stunden, und blieb auch hier unter seinem Zeitplan von fünf Stunden. Während des abschließenden Marathons erfuhr der Silla Hopp-Athlet von einem Mitläufer, dass er in der Altersklassenwertung auf Platz eins liege. Diesen hielt Dülsen bis Kilometer 28, bis er vom Amerikaner Joe Thorne überholt wurde. “Damit habe ich gerechnet. Thorne kommt von der Leichtathletik und war Junioren-Weltmeister”, erzählt der 26-Jährige. Am Ende bedeutete seine Zeit nicht nur Rang drei in der Altersklasse hinter Thorne und Haak, sondern auch Platz 52 in der Gesamtwertung. Das ist ein Grund zum Feiern – und das wird das Team Silla Hopp morgen mit Marc Dülsen tun.
Quelle: Henning Maak, Marbacher Zeitung, 21.10.2011